Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura

Vor der Ersten Juragewässerkorrektion

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«Wahrlich ein trauriger, schrecklicher Anblick, so viele tausend Jucharten fruchtbares Land mit allen seinen Früchten unter Wasser begraben zu sehen! Das Unglück ist unermesslich. Verloren, gänzlich verloren sind die Früchte des eisernen Fleisses dieser arbeitsamen Bevölkerung. Es scheinen die drei Seen von Murten, Neuenburg und Biel nur ein grosses Wasserbecken zu bilden. Landeron und Nidau stehen wie eine Häuserinsel mitten in demselben. Ein Reisender erzählte mir heute, es seien auch die obere Broye und die Orbe ausgetreten, die Möser von Chablais, Orben und lferten stünden ebenfalls unter Wasser. Furchtbar muss gestern noch der Anblick gewesen sein, als auch die Ebene vom Jensberg bis Solothurn durch die Aare überschwemmt war, die sich bereits bedeutend zurückgezogen hat.

Unerwartet schnell stieg in der vorletzten Nacht die Aare und nahm die mit so viel Mühe ausgeführten Schwellen, Wuhren und Dämme auf grossen Strecken Landes mit sich fort; besonders zerstörend wirkte sie von Kappelen bis nach Meienried hinunter. Als ich des Morgens aufwachte, schlugen die Wellen bereits an meine Haustür; bei anderen drang das Wasser bis in die Wohnungen, ja bis in die Bettstatt der noch Schlafenden. Die Ortschaften von Schwadernau, Scheuren, Meienried, Reiben, Staad und Altreu standen ganz im Wasser. Bei Meienried stieg die Aare 21 Fuss 8 Zoll über ihren niedrigsten Stand. Unsere Wiesen waren grösstenteils abgemäht, wegen des anhaltenden Regenwetters konnte jedoch nichts eingesammelt werden, und wurde so ein Raub der Fluten, in denen auch ein Familienvater und ein Kind ihr frühzeitiges Grab fanden.

Unsere Kornfelder sind mit Schlamm, Sand und Kies überfahren; in wenigen Tagen, besonders wenn heisse Witterung eintreten sollte, werden wir kein gesundes Ährlein mehr haben. Die Kartoffeln sind durchaus verloren, die Dörfer mit zusammengeführtem Unrat angefüllt und die Wohnungen die Zufluchtstätten allen Ungeziefers geworden.»



Autor: Johann Rudolf Schneider / Quelle: -1848