Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura

Druckerei Gassmann: Mechanisierte Druckerei, frankophile Haltung

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Wachstum und Modernisierung

Nach ihren Anfängen an der Collègegasse bis 1873 und an der Dufourstrasse 17 bis 1899 entwickelt sich die Druckerei Gassmann bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu einem gut verankerten Familienunternehmen in der Region. Nach dem Tod des Gründers des Journal du Jura, Franz Wilhelm Gassmann, im Jahr 1892, führt seine Witwe Rosalie Gassmann-Balmer die Firma, bis ihr Sohn Willy 1896 an die Spitze des Unternehmens tritt. Drei Jahre später bezieht die Druckerei neue Lokalitäten an der Freiestrasse 11. Willy Gassmann lässt dort eine US-amerikanische Linotype-Setzmaschine installieren – es ist erst um die zweite Maschine dieser Art in der Schweiz.

Im Jahr 1904 wird der « Seeländer Bote » zur Tageszeitung. Im Seeland erscheint das Blatt unter diesem Namen, in Biel aber – nach der Übernahme einer anderen Zeitung – unter dem Namen « Bieler Tagblatt ». Die Druckerei entwickelt sich weiter. 1907 wird eine Rotationsdruckmaschine installiert, die für die Stereotypie ausgerüstet ist. Die Druckgeschwindigkeit nimmt zu, ebenso die Auflage.

Röstigraben weniger tief als anderswo in der Schweiz

Während des Ersten Weltkriegs « vegetiert » die Druckerei Gassmann – so drückt es Willy Gassmann Junior aus, der Enkel von Franz Wilhelm. Letzterer führt die Stagnation unter anderem auf die Sympathien seines Onkels für die Alliierten zurück, da in der Deutschschweiz eher eine Haltung zugunsten des Deutschen Reichs spürbar ist. „Er liess nicht einmal den deutschen Heeresbericht im „Seeländer Boten“ abdrucken“ erinnert sich Willy Gassmann.

Diese Bemerkung wird durch eine wissenschaftliche Studie nur zum Teil erhärtet. Mélanie Sauvain, eine Studentin der Universität Neuenburg, hat darin unter anderem die Texte der Gassmann-Zeitungen in den Jahren 1914 bis 1918 untersucht. Der „Sprachengraben“, den man während des Ersten Weltkriegs zwischen der Presse der Deutschschweiz und derjenigen der Westschweiz feststellt, ist in der zweisprachigen Stadt Biel weniger auffällig. Zwar zeigt auch das „Journal du Jura“ Sympathien für die Alliierten, insbesondere für das « demokratische, athenische, humanitäre Frankreich », und es schmäht das « militaristische, pangermanistische Deutschland». Aber es zeigt dabei weniger Verbitterung, weniger als als sonstwo in der Romandie. Das hindert jedoch einen deutschschweizer Leser nicht daran, der Kantonsregierung zu schreiben und zu verlangen, dass das „Journal du Jura“ für seine „öffentliche Deutschfeindlichkeit“ bestraft werde (während des Krieges unterstand die Presse einer Zensur).
Das Bieler Tagblatt vertritt eine gemässigte Haltung und setzt sich für eine strikte Beachtung der Neutralität ein. Diese Linie vertritt es auch während der Obersten-Affäre, welche die Schweiz im Jahr 1917 polarisierte. Der Prozess gegen zwei Schweizer Offiziere wegen Spionage zugunsten des deutschen Geheimdienstes empörte damals in der Romandie breite Kreise der Bevölkerung.



Autor: David Gaffino / Quelle: 1900 2013