Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura

Emanuel Jirka Propper

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Emanuel Jirka Propper wurde am 12. Januar 1863 in Hospozin in Böhmen geboren. Nach seiner Schulzeit in Prag bestand er dort im Alter von 21 Jahren die Maturitätsprüfung an der deutschen k.u.k. Staatsoberrealschule. Den Militärdienst leistete er kurz vor dem Architekturstudium, das er an der k. u. k. deutschen technischen Hochschule in Prag absolvierte und mit der ersten (1889) und der zweiten (1891) Staatsprüfung abschloss. Nach Angaben seiner Bekannten machte Propper aus Anlass der gut bestandenen Schlussprüfung mit Freunden eine Reise ins Berner Oberland. Die Schönheiten der Schweiz hätten ihn derart beeindruckt, dass der 28-jährige beschlossen habe, nicht nach Österreich zurückzukehren und sich hier niederzulassen. Noch im selben Jahr trat er in das Architekturbüro von August Haag in Biel ein, doch schon 1893 nahm er eine neue Herausforderung an: Er wurde Hauptlehrer an der Bauabteilung des neu eröffneten Bieler Technikums. Volle 35 Jahre sollte er in dieser Funktion wirken - zu seinen Schülern gehörten unter anderem Otto R. Salvisberg, Robert Saager und Alfred Leuenberger. Propper wandte sich gegen die "Verflachung der Formensprache" und förderte den "einheimischen Baustil". Es ging ihm darum, die "besondere Eigenart, die dem Volk anhaftet und sich in Kunst und Handwerk widerspiegelt (...) in Übereinstimmung mit technischen und anderen Fortschritten zu bewahren". Damit war er ein Verfechter des Heimatstils, allerdings zeigen die Fassaden mancher seiner Stadthäuser auch Jugendstilelemente. Als engagierter Fachlehrer und Architekt nutzte Propper seine Semesterferien für Studienreisen nach Italien, Frankreich, England, Belgien, Holland, Österreich und Deutschland, ausserdem beschäftigte er sich mit der Erfassung einheimischer Baudenkmäler.

Die Anfänge von Proppers Auseinandersetzung mit dem architektonischen Erbe der Region sind in der Publikation "Das alte Biel und seine Umgebung" eindrücklich dokumentiert. Als Mitherausgeber erläuterte Dr. Türler in der Einleitung das Anliegen des Werkes: "Die Städte haben beinahe durchweg die engen Fesseln gesprengt, die ihnen die Ringmauern umgelegt hatten. Über die ehemaligen Stadtgräben hinaus dehnen sich die Gassen aus. Aber auch in den Dörfern fordert der Fortschritt gar oft den Ruin des Alten, das seine Verteidiger verloren hat. Es ist hohe Zeit, die Denkmäler aus den Zeiten der Voreltern  durch den Stift des Künstlers noch im Bilde festzuhalten, die alten Bilder zu sammeln und den Enkeln zu überliefern (...). Später trug Proppers denkmalschützerisches Engagement auch auf gesamtschweizerischer Ebene Früchte: Der Aufruf des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) aus dem Jahr 1907, die schweizerischen Bürgerhäuser zu erfassen, ging auf seine Anregung zurück. Dieser Appell legte den Grundstein für das umfangreiche Werk "Das Bürgerhaus der Schweiz".

Allerdings beschränkte sich Propper nicht immer darauf, den Zustand historischer Bauten zu dokumentieren - als er im Jahr 1900 die Restauration des "Zunfthauses zu Waldleuten" leitete, bemühte er sich um eine "Rekonstruktion", indem er den Berner Giebel aus dem Jahr 1808 durch eine Treppengiebel-Fassade ersetzte, wie sie in der Renaissance verbreitet gewesen war. Dieses Beispiel "rekonstruierender Denkmalpflege" gefiel, und so wurde Propper noch bei vielen weiteren Restaurierungen zu Rate gezogen - er wirkte unter anderem in St-Ursanne (Stiftskirche, 1896-99), Erlach (Grütterhaus, um 1900), Ligerz (Kirche, 1909), Rüti bei Büren (Kirche, 1910/11), Biel (Stadtkirche, 1909-12) und Neuenstadt (Blanche Eglise, 1912/13).

Mit einem Teil der von ihm entworfenen Neubauten verwirklichte Propper seine Vorstellungen von Reformarchitektur. In den Heimatstil- Reihenhäusern des "Modernen Heim" an der Schützengasse sollten traditionelle Bauformen des ländlichen Seeländer Bauernhauses mit Elementen des Bürgerhauses verbunden werden. Das "Moderne Heim" sollte beispielhaft zeigen, dass Heimatstilbauten an vorteilhafter Wohnlage auch für den Mittelstand erschwinglich waren.

Proppers Interesse an baulichen Zeugnissen früherer Zeiten erstreckte sich auch auf die Archäologie. So wirkte er bei den Ausgrabungen in Petinesca (1898 bis 1904) mit und verfasste darüber mehrere Berichte an die Schweizerische Gesellschaft für die Erhaltung historischer Kunstdenkmäler. An diesem Engagement nahmen auch seine Technikumsschüler regen Anteil - gemäss einer Schullegende soll ihr Lehrer einmal ein Paket mit steinen aus Petinesca erhalten haben - mit dem Vermerk "Caesar seinem Freunde Propper".

Im Jahr 1928 trat Propper in den Ruhestand - seinem Naturell gemäss ruhte sein Engagement nicht, bis er am 11. 3. 1933 verstarb.

Proppers Publikationen:

"Das alte Biel und seine Umgebung" (mit H. Türler, E. Lanz-Blösch, A. Bähler, Biel, 1902).

"Die Bauschule am Technikum in Biel" (Zürich/Stuttgart, 1904)

"Das Bürgerhaus in der Schweiz" (Teil 1, Band 5, Zürich 1917)

Quellen:

"Propper, Emanuel Jirka", Artikel im Architektenlexikon der Schweiz, Birkhäuser, 1998

"Emanuel Jirka Propper 1863-1933", Manuskript von Edgar Erismann

"Propper, Emanuel Jirka, Architekt", Artikel von H. Türler









Autor: Christoph Lörtscher / Quelle: 2009