Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura

Auguste Piccards ungewöhnliche Ballonfahrt vom 27. März 1915

Seeland - Flugverkehr - Persönlichkeiten - Schweizer Armee




Auguste Piccard, seit 1913 Doktor der Naturwissenschaften der ETH Zürich, war seit dem Jahr 1912 ein begeisterter Ballonfahrer. Gleich bei seinem Eintritt in den "Ostschweizerischen Verein für Luftschiffahrt" überzeugte er dessen Mitglieder, den Ballonflug auch für wissenschaftliche Zwecke zu nutzen. Bei seinem ersten Flug vom 19. Juni 1912 untersuchte der Physiker zum Beispiel die Gastemperatur im Innern des Ballons.  Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der 192 Zentimeter grosse Wissenschaftler als militäruntauglich befunden und als Hilfssoldat der Ballontruppe zugeteilt. Am 8. Oktober 1914 erwarb Piccard das Brevet Nr. 40 als Ballonpilot.

Im Verlauf seines Dienstes im Jura half Piccard bei der Bereitstellung des Ballons "Theodor Schaeck" , der über dem Chaumont aufsteigen und Einblicke in das französische Grenzgebiet ermöglichen sollte. Am 27. März 1915 stieg der Ballon mit dem HD-Soldaten Piccard auf, verhielt sich jedoch wegen eines starken Windes sehr ungebärdig - er hob und senkte sich stossartig, was die beabsichtigten Beobachtungen hinfällig machte. Wohl deshalb wurde darauf verzichtet, diesen Kugelballon als Fesselballon einzusetzen. Piccard begann eine Ballonfahrt, die ihn bei starkem Wind und Regen ins Ungewisse führte. Nach 2 Stunden und 40 Minuten landete der total durchnässte Ballonpilot in der Nähe eines Dorfes. Einige Bauern hatten die Landung des "Theodor Schaeck" mitverfolgt und waren zum Landeplatz geeilt. Auf die Frage des Piloten, wo er sich befinde, antworteten sie. "Im Bezirk Büren". Piccard erschrak einen kurzen Moment, da der Begriff "Bezirk" ihn vermuten liess, er sei in Deutschland gelandet. Doch gleich darauf erkannte er den Dialekt der Männer und vernahm, dass er sich im bernischen Wengi befand. Ein Bauernmädchen lud Piccard ein, ihr auf den Hof zu folgen, wo sie ihm die trockenen Kleider ihres Vaters überliess, der ebenfalls Militärdienst leistete. Dafür bedankte sich der Forscher später mit einer Postkarte, die zu einer Reliquie des Dorfes werden sollte, als Piccard in der ganzen Welt als Pionier des Stratosphärenflugs bekannt wurde.

Quelle: Erich Tilgenkamp, "August Piccard -Reisen in ungewöhnliche Räume", München1959


Autor: Christoph Lörtscher / Quelle: 1900
Format: Christoph Lörtscher, Biel