Historisches Archiv der Region Biel, Seeland und Berner Jura

Carl Spitteler

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Carl Friedrich Spitteler wurde 1845 als Sohn eines bedeutenden radikalen Politikers in Liestal geboren. Spitteler beschloss früh, Dichter zu werden, brach sein Jurastudium in Basel ab und studierte stattdessen Theologie in Zürich. Im Anschluss daran arbeitete er acht Jahre als Hauslehrer in Russland und schrieb an seinem ersten Werk «Prometheus und Epimetheus», das 1881 nach seiner Rückkehr in die Schweiz veröffentlicht wurde. Es ist wie sein späteres Hauptwerk «Olympischer Frühling» ein Versepos, eine an altgriechischen Vorbildern orientierte erzählende Dichtung. Dem Zeitgeist entsprach damals jedoch jene realistische Prosa, wie Gottfried Keller sie schrieb. So erstaunt wenig, dass Spitteler mit «Prometheus und Epimetheus» keinen Erfolg hatte und sich seinen Lebensunterhalt weiterhin als Lehrer verdienen musste.

Er unterrichtete 1881-1885 alte Sprachen und Deutsch am Progymnasium in Neuenstadt (La Neuveville). Im Städtchen galt er als «elegante Erscheinung», wie ein ehemaliger Schüler schrieb, und wenn er «schulterwiegend mit orientalischer Lässigkeit durch die Gassen ging, sagten die Leute: Russischer Einfluss». An der Schule wirkte er als Sekretär der Lehrerkonferenz. «Ich kann nicht sagen, dass unser Kollege ein hervorragender Pädagoge war», berichtet ein damaliger Lehrer, «doch der Koloss war sanft wie ein Lamm, und seine Schüler behielten ihn in zärtlicher Erinnerung als einen Mann mit goldenem Herzen.»

Während seiner Zeit in Neuenstadt, und in den darauf folgenden Jahren, schrieb Carl Spitteler «Olympischer Frühling». Dank einer Erbschaft seiner Schwiegereltern war es ihm schliesslich möglich, als freier Schriftsteller zu leben.

Bekannt wurde Spitteler, als er im Dezember 1914 vor der Neuen Helvetischen Gesellschaft in Zürich die Rede «Unser Schweizer Standpunkt» hielt. Während in Europa der Erste Weltkrieg tobte und zahlreiche Deutschschweizer mit Deutschland, die Romands mit Frankreich sympathisierten, sprach sich Spitteler öffentlich für die Distanzierung von der Politik Deutschlands und für die Überwindung des Röstigrabens aus. Mit seinem Aufruf zu Neutralität und nationaler Eintracht vermochte Spitteler das Schweizer Nationalbewusstsein nachhaltig zu prägen.

1920 erhielt Carl Spitteler als erster Schweizer «in Würdigung seines Epos ‹Olympischer Frühling› den Nobelpreis für Literatur. Diese Ehrung machte den bereits über 50-Jährigen zur nationalen Symbolfigur. Carl Spitteler starb 1924 in Luzern.



Autor: Manuela Di Franco / Quelle: -1848