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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Langer Kampf um das AJZ

Der Machbarkeitsglaube des nach dem Krieg wirtschaftlich erfolgreichen «Establishments» in Politik und Wirtschaft wurde Ende der 60er-Jahre durch die neuen, von Jugendlichen formulierten Werte in Frage gestellt.
 

Herrschaftsstrukturen wurden prinzipiell abgelehnt; in Hunderten von Varianten wurde «Demokratie total» geübt - welche in der Regel aus praktischen Gründen nicht lange währte. Wohngemeinschaften, genossenschaftlich betriebene Restaurants und von Vollversammlungen geführte Jugendzentren mit alternativ-kulturellem Angebot existierten meist nach wenigen Jahren nicht mehr. Nur wenige «68er» verharrten in der Anti-Establishment-Position. Für neue Generationen Jugendlicher hat aber die 68er-Bewegung neue und bleibende Veränderungen kultureller Aktivität geschaffen.

Das AJZ Biel wurde im Mai 1975 als Resultat des «Jugendaufstands» eröffnet:

«Am 18. Juni 1968, drei Tage nach der symbolischen Besetzung des Globusgebäudes in Zürich, verkündeten in Biel 300 Jugendliche an einer Demonstration ihre Solidarität mit der Jugend in Zürich, in Europa und Amerika. Neben dem inhaltlichen Hauptanlass tauchten auch internationale politische Slogans auf. In einer am 12. August 1968 eingereichten Motion forderten die Bieler SP-Stadträte Stauffer, Arnold und Grimm den Erhalt von einem der beiden stillgelegten und zum Abbruch freigegebenen Gaskessel als Bieler AJZ. Nur fünf Tage später, am 17. August 1968, fand eine weitere Demonstration statt, diesmal auf dem Gaswerkareal. Die Hauptforderung: ein autonomes Jugendzentrum für Biel im Gaskessel. Kurz darauf präsentierte ein provisorisches Aktionskomitee für ein AJZ erste Autonomievorstellungen. Zähe Verhandlungen, Spaltungen der AJZ-Komitees und diverse Aktionen folgten. Es dauerte zwei Jahre, bis die Behörden den Gaskessel freigaben und einen Kredit von Fr. 60 000.- für Renovationen zur Verfügung stellten. Die nun folgenden Umbauarbeiten gingen nur sehr langsam voran, weil viele Jugendliche, vom langen Warten zermürbt, das Interesse verloren oder keine Lust mehr verspürten, langwierige und unentgeltliche Bauarbeiten auszuführen. Ein kleiner Kern hielt durch. Im Mai 1975 konnten sie den zu einem Veranstaltungsraum umgebauten Gaskessel mit einem ‹Gitarrenfest› eröffnen.»
(26. 5. 1999 im «Bieler Tagblatt», Renato Maurer, Merzligen)

Und es existiert und funktioniert heute noch, das Bieler AJZ. Veranstaltungen unterschiedlicher Art finden da statt. Seit 1981 wird das AJZ bescheiden subventioniert, und es erhielt zusätzlich die «Villa Fantaisie» zur Benützung. Es konnten zudem neue Projekte realisiert werden, wohl nicht zuletzt dank des guten Funktionierens des AJZ: Die AJZ-Zeitung «Noir und rot», die WG und Druckerei «Commune autonome», das gassennahe Entzugsangebot für Heroinabhängige namens «Fallschirm», eine Gassenküche, ein Sleep-In und anderes mehr.


AutorIn: Jaroslaw Trachsel
 
 
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