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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Lebenserinnerungen

Aus den Lebenserinnerungen von Louise Irlet-Feitknecht aus Twann.
 
(Dieser Text wurde uns freundlicherweise von Anneliese Zwez aus Twann zur Verfügung gestellt)
 
Am 3. Juni 1855 erblickte ich das Licht der Welt als 2te Tochter meines lieben Vaters Jakob Feitknecht & liebsten Mutter Marie-Anna geb. Perro.
[...] Ehe ich zur Schule gieng, herrschte der Keuchhusten in Twann und ich hatte denselben so stark, dass ich vor Angst ein Zähnchen ausbiss und Mutter mich als erstickt ins Bettchen legte. Weinend und jammernd lag sie neben meinem Gesichtchen und flösste mir so neuen Atem ein, so dass ich wieder aufwachte und Leben bekam.
 
Meine Schul- und Lernjahre verlebte ich in Twann und meine Eltern hielten darauf, dass ihre Kinder gut unterrichtet wurden, liessen meiner Schwester und mir Privatunterricht erteilen in Französisch und Klavier.
Als ich confirmiert war, [...] sandten mich meine guten Eltern ins gleiche Pensionat, wo meine Schwester war, ins Waadtland b/ Grandson, wo ich mit 30 anderen Schweizerinnen die franz. Sprache gründlich lernte.
Nach Jahresfrist kam ich im Frühling 1872 heim und hier sah ich in Eilmärschen die Bourbaki Armee, eskortiert durch unsere Soldaten durch die Ortschaft ziehen, ein Bild des Elends und Jammers, eines Krieges. Viele mit halb erfrorenen Füssen, die Pferde halb verhungert.
 
Meine lieben Eltern waren glücklich, ihre Tochter wieder bei sich zu haben, hatten sie doch zu meiner freudigen Überraschung ein neues Klavier angeschafft. Wir halfen nun, meine liebe Schwester und ich, den Eltern in Haushaltung, Rebe und Geschäft und waren Mitglieder der Ortsvereine in Gesang, Theâtreaufführungen. Aber bald verheiratete sich meine Schwester und ich [mich] zwei Jahre später [1878] mit Karl Irlet, Kaufmann, meinem lieben Gatten sel. und Nachbar.
Die Hochzeitsreise machten wir nach Paris an die Weltausstellung von 78, sahen uns die Weltstadt an mit ihren berühmten Gemäldegalerien [...].
 
Heimgekehrt übernahm ich dann die grosse Haushaltung im Fraubrunnenhaus mit der betagten Schwiegermama und der noch älteren, bald 80jährigen Tante Caroline, welche schon in meinen Schuljahren mich sehr interessierte als originelle, aristokratisch angehauchte alte Jungfer. Ein Ladendiener, Knecht und Magd vervollständigten anfangs unseren Haushalt.
Im Frühling 79 kam dann unser Erstgeborener zur Welt. Unser lb. Karl wurde Student der Theologie und später zu unserem Stolze Pfarrer an der Pauluskirche in Bern. Nach Jahresfrist 1880 wurde uns ein lieber zweiter Sohn geboren, der nach seinen Studien [...] dem Papa eine Stütze im Geschäfte wurde. Nach 2 späteren Jahren wurde uns ein liebes Mädchen geschenkt. Aber es wurde nur 4 Jahre alt und starb zu unserem Schmerze an Dyphteritis. Nach folgenden 2 Jahren schenkte uns Gott wieder ein liebes Mädchen, das in Haus und Geschäft tüchtig wurde, uns allenthalben eine grosse Stütze war, bis sie sich auch verheiratete, wie seine Brüder.
 
Mein lieber Mann war seit Jahren in amtlichen Stellungen, wie Amtsrichter, Verwaltungsrat der Worbenanstalt und der Einkaufsgenossenschaft Oerlikon, Armeninspektor, Mitglied der Bezirkssteuerkommission und in den Kommissionen der Ortschaft selbst, so dass die Leitung des Tuchgeschäftes fast ganz in meinen Händen stund. Wahrscheinlich überarbeitete ich mich, denn ich bekam die fliegende Gliedersucht, die reichlich schmerzhaft war [der Ausdruck «fliegende Gliedersucht» bedeutete damals schmerzhafte Symptome in den Gelenken. Meist handelte es sich um Gicht, Rheuma oder Artrithis; Anm d. Red.]. Unter guter Pflege meiner Lieben genas ich allmählich wieder, nachdem ich noch eine Badekur im Worbenbad gemacht hatte in Begleitung meiner herzlieben Tochter Alice.
 
[...] Anno 1914 als der Weltkrieg ausbrach, wurde in Twann ein Zürcher Bataillion einquartiert. Wir stellten unsere entbehrlichen Räume zur Verfügung nebst Kocherei in der Soldatenstube. Ich erinnere mich gerne dieser Zeit, die Leben ins stille Dorf und Haus brachte und der höflichen, gesitteten Wesen der gut erzogenen Zürcher Herren Offiziere.
Damals waren meine beiden Söhne schon verheiratet und mussten auch an die Grenzbesetzung. Mein Ältester als Regimentspfarrer, der Jüngere als Hauptmann der Infanterie. Meine Tochter Alice stund ihren Eltern treu zur Seite bis sie sich auch verheiratete.
Da alle 3 Kinder verheiratet waren, übergaben wir unser Geschäft unserem Sohne Adolf, denn die Kräfte meines lieben Mannes hatten stark abgenommen. [...] 81 Jahre alt war mein lieber Gatte, als seine Kräfte derart abnahmen durch die Plage seines Hustens, dass er unerwartet rasch am Tage nach Weihnachten 1926 an den Folgen eines Hustenanfalls sanft entschlief. [...]
 
Um von meiner Trauer abgelenkt zu werden, zog ich vor, den grössten Teil des Jahres bei meiner Tochter zu verbringen in Bern, wenn möglich ihr dienend zur Seite zu stehen und bei ihr die nötige Pflege zu finden, die mein Alter erheischt.
Nun sind schon 3 Jahre seit seinem sel. Heimgange verflossen und ich im 75sten Jahre dieses schreibe, bei meiner lieben Tochter in Bern.
Jeden Sommer bin ich einige Zeit in Twann geblieben und habe das Grab meines lb. Gatten sel. mit Blumen geschmückt und mich an der Bielersee-Luft und -Sonne neu gestärkt. Wo mein Gatte begraben ist, will ich auch begraben sein. Diesen Wunsch werden meine 2 Söhne und Tochter respektieren und erfüllen.
Das ist in kurzen Zügen mein Lebenslauf im 75. Altersjahr. Gott der Allmächtige stehe mir bei, dass ich niemandem überlästig werde.

AutorIn: Louise Irlet-Feitknecht / Annelise Zwez
 
 
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