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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Christine Beerli-Kopp: Biels Fast-Bundesrätin

Die Bielerin Christine Beerli wurde schon mit 38 Jahren Ständerätin. Während über 10 Jahren galt sie als kommende Bundesrätin. Den Einzug in die Landesregierung verpasste sie 2003 nur knapp. Als FDP-Politikerin verkörperte sie wie kaum eine andere die politische Mitte. Von 1998 bis 2003 wirkte sie als Direktorin des Bieler «Techs», anschliessend stand sie der Berner Fachhochschule für Technik und Informatik vor. Seit 2008 ist sie ständige Vizepräsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Sie engagierte sich in vielen gemeinnützigen Organisationen.
 
Christine Beerli-Kopp kam 1953 in Biel zur Welt, verbrachte hier eine glückliche Jugendzeit. Sie studierte an der Uni Bern Jura und betrieb als Fürsprecherin ab 1979 eine eigene Praxis. Im Mai 1998 gab sie diese selbständige Tätigkeit auf, nachdem sie zur Direktorin der Hochschule für Technik und Architektur (heute Hochschule für Technik und Informatik) in Biel berufen worden war. Seit Januar 2008 ist Christine Beerli neue ständige Vizepräsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). In dieser Funktion kümmert sie sich insbesondere um die Qualität der inneren Abläufe des IKRK, aber auch um die Entwicklung der Beziehungen zwischen den Rotkreuzorganisationen.

Ihre politische Karriere begann Christine Beerli im Bieler Stadtrat (1980 – 1983). 1986 wurde sie in den Grossen Rat des Kantons Bern und als Präsidentin der freisinnigen Grossratsfraktion gewählt. Zwischen 1991 und 2003 gehörte sie dem Ständerat an, von 1996 bis 2002 präsidierte sie die freisinnige Fraktion im Bundesparlament. Sie war Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission sowie der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit. Sie war auch Mitglied der Kommission für Wirtschaft und Abgaben und der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kunst. So konnte sie ihren Horizont laufend erweitern.

Beerli galt als kompetente Sachpolitikerin der politischen Mitte: Ihr politisches Leitmotiv bestand darin, kommenden Generationen die Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit zu erhalten: Bestehendes sollte geprüft — nichts zubetoniert werden. Den in den Neunzigerjahren entstandenen Schuldenberg wollte sie abbauen. Der Nachwelt sei eine Ökonomie zu hinterlassen, die sich mit der Ökologie vertrage.
Höhepunkt ihrer politischen Karriere war die Kandidatur für den Bundesrat. Dort unterlag Beerli am 10. Dezember 2003 im letzten Wahlgang dem Appenzeller Hans-Rudolf Merz. Noch im selben Jahr zog sie sich aus dem politischen Leben zurück.

Christine Beerlis Engagement umfasst die Mitarbeit in zahlreichen Organisationen und Institutionen. Beispielsweise präsidierte sie von 1996 bis 2008 den Stiftungsrat der Pro Juventute Schweiz. Seit dem Jahr 2006 ist sie Präsidentin des Institutsrats von Swissmedic, der Eidgenössischen Kontrollstelle für Heilmittel.

Daneben findet sie immer wieder Zeit, ihren Garten zu pflegen und für ihre Gäste zu kochen. Die Zutaten für ihre erlesenen Menüs besorgt sie sich jeweils am Samstagmorgen auf dem Markt in der Bieler Altstadt.

AutorIn: Hedwig Schaffer / Hans-Ueli Aebi
 
 
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