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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Aus der Geschichte des Montagewerks der General Motors in Biel

 

1934 Wegen des infolge der Weltwirtschaftskrise zunehmenden Protektionismus beschloss die General Motors, in Europa mehrere Montagewerke zu bauen. Nachdem die eidgenössische Fremdenpolizei die Einreise von GM-Mitarbeitern nach Genf verweigert hatte, "weil die GM kein Projekt für grosszügige Arbeitsbeschaffung vorgelegt habe", entschloss sich GM-Generaldirektor Ed Riley zum Bau eines Montagewerks in der Schweiz.
Max Leo Keller von der "Zentralstelle für neue Industrien" machte Stadtpräsident Guido Müller auf die Absichten der GM aufmerksam. Mit Unterstützung des Unternehmers Emil Baumgartner lud Müller eine Delegation der GM nach Biel ein. Die beiden Delegierten erhielten folgendes Angebot: Die Stadt Biel werde der GM eine Fabrik nach ihren Wünschen errichten, um sie der Firma zu vermieten, ausserdem sei sie für einen Bahnanschluss besorgt. Noch im Herbst des selben Jahres, bei strömendem Regen, besichtigte eine ranghohe GM-Delegation das angebotenene Grundstück südlich des Bieler Bahnhofs. Bei der anschliessenden Besprechung mit dem Bieler Stadtpräsidenten kratzte sich Ed Riley eine Handvoll Lehmerde von den Schuhen und klatschte sie Guido Müller auf den Tisch, mit der Erklärung: "Das ist Erde vom Boden, auf dem wir unsere Fabrik bauen werden!"

1935 Am 2. Mai wurde die General Motors Suisse S.A. als Tochtergesellschaft der General Motors Corporation (Detroit) in Biel gegründet. Die Schaffung eines Montagewerks für Autos wurde nur möglich, weil der Bundesrat Präferenz-Zölle auf Montageteilen zusicherte, womit die wirtschaftliche Grundlage für eine rentable Firmentätigkeit in der Schweiz gegeben war. Schliesslich ging es darum, in der Krise Arbeitsplätze zu schaffen. Der Bundesrat hob auch einen Bundesbeschluss auf, der verlangt hatte, Investitionen in bereits bestehende, wegen der Krise leerstehende Fabrikbauten zu tätigen.
Am 19. Mai 1935 hiessen die Bieler Stimmberechtigten das Vorhaben mit 5'088 zu 151 Stimmen gut, und sieben Monate später waren alle Hürden überwunden: Mit dem Bau der neuen Fabrik konnte begonnen werden.

1936 Am 5. Februar lief ein Buick Achtzylinder als erster in Biel montierter Wagen vom Band. Es folgten im gleichen Jahr 321 Chevrolet, 115 Buick, 61 Oldsmobile, 36 La Salle, 117 Vauxhall und 318 Opel.

1937 Die General Motors Suisse SA in Biel beschäftigte 320 Arbeiter und Angestellte. Die Aufträge der Firma an Schweizer Unternehmungen trugen dazu bei, weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Insgesamt ergab sich aus einem in Biel montierten Wagen eine einheimische Wertschöpfung von 64,9%. In Biel, das 1936 mehr als 8000 Arbeitslose zählte, wurden dank der GM 448 Arbeitsplätze geschaffen.

1939 Der Kriegsausbruch zwang die GM zu weitreichenden Veränderungen: Für den Privatgebrauch gab es kein Benzin mehr, und der Nachschub an Montageteilen war unterbrochen. Viele Beschäftigte wurden zum Aktivdienst einberufen, daher übernahmen Frauen ihre Arbeitsplätze. Vorerst wurden die noch vorhandenen Montageteile zu Autos für den Export verarbeitet, um den Import von Lebensmitteln zu sichern. Später wurden Personenwagen zu Militärfahrzeugen umgebaut. Die GM übernahm auch die Herstellung von Karbidvergasern, Armeetornistern und Kühlschränken sowie die Reparatur von Eisenbahnwagen, um einen Teil der Arbeitsplätze zu sichern.

1945 Nach dem Krieg übernahm Paul R. Bürgin zum zweiten Mal die Leitung des Montagewerks.

1947 Die GM rechnete mit einem baldigen Wirtschaftsaufschwung, der eine Welle der Motorisierung auslösen werde. Sie kaufte der Stadt Biel die Fabrikgebäude ab. Jean Mussard, der soeben die Pensionskasse der GM organisiert hatte, wurde mit der Erweiterung der Fabrik betraut.

1949 Die Erweiterung der Fabrikanlagen war abgeschlossen. Zwischen der eigentlichen Fabrik und dem neuen Warenlager liess Mussard einen Tennisplatz und ein Fussballfeld für die Angestellten errichten. Die Produktionskapazität stieg auf 5 500 Automobile pro Jahr, was etwa einem Fünftel des schweizerischen Markts entsprach.

1954 Besuch des Präsidenten der GM, Harlowe H. Curtice, in Biel. Angesichts der guten Aussichten für ein weiteres Wachstum des Bieler Montagewerks bewilligte er 18 Millionen Franken für Erweiterungsbauten.

1957 Die neuen Anlagen des Montagewerks ermöglichten die Verdoppelung der Produktion auf jährlich 14 000 bis 15 000 Personenwagen. Am 6. Juli feierte die GM Biel die Montage des fünfzigtausendsten Wagens, eines Vauxhall Victor. Die bisherige Führung des Werks (Paul Bürgin, Ulisse Torricelli, Jean Mussard) trat kurz darauf in den Ruhestand. Bis 1961 übernahm H. V. Leonard die Leitung des Werks.

1961 Am 7. Juni verliess der hunderttausendste Personenwagen das Montagewerk, ein Opel Rekord Caravan. Der Wagen wurde dem Pestalozzi-Kinderdorf in Trogen geschenkt. Die GM Biel deckte inzwischen mehr als ein Viertel der schweizerischen Automobilnachfrage. E. C. Nurenberg, der neue Leiter des Montagewerks, führte einige soziale Neuerungen ein. Die GM schuf die ersten Lehrstellen. Es entstanden eine GM- Brass Band und eine Hauszeitung mit dem Namen "Spotlight". Verstärkte Sicherheitsmassnahmen sollten die Unfallgefahren mindern.

1963 Die GM Biel beschäftigte 1100 Arbeiter und Angestellte. Alle 8 Minuten und 30 Sekunden verliess ein fertiger Wagen die Hallen. Die GM war der grösste Steuerzahler der Stadt Biel.

1964 Das Montagewerk produzierte seinen hundertfünfzigtausendsten Wagen, einen Opel Kapitän.

1966 Einweihung des neuen Lagerplatzes der GM in Studen – in Biel hatte es keine geeigneten Landreserven gegeben. Der Platz bot maximal 7000 Fahrzeugen Platz. In Studen wurden auch die fertig importierten Automobile für den Verkauf bereitgemacht.

1967 Das Pestalozzi-Kinderdorf erhielt den zweihunderttausendsten in Biel montierten Wagen, einen Opel Rekord Caravan.

1970 Die GM verkaufte in der Schweiz 28‘017 Personenwagen, davon kamen 17‘102 aus dem Bieler Montagewerk. Ein neuer Wagen, der in Biel montierte GM Ranger, sollte auf dem Schweizer Markt Fuss fassen. Diesem Vorhaben war kein grosser Erfolg beschieden. Angesichts der aufkommenden Konkurrenz durch preiswerte japanische Kleinwagen plante GM die Produktion eines Oberklassemodells als Nischenprodukt. Der Opel Diplomat sollte in Biel hergestellt werden.

1972 Zwischen den EFTA-Staaten und der EWG wurde ein Freihandelsabkommen abgeschlossen. Die GM trieb den Umbau des Montagewerks in Biel voran – die Produktion eines Luxuswagens hätte die Fortführung der Montage im Hochpreisland Schweiz gerechtfertigt.

1973 Der Ausbruch der Ölkrise liess den Erdölpreis deutlich ansteigen, ausserdem verhängten die Erdölproduzenten der arabischen Welt einen Lieferstopp gegen die USA und die Niederlande. Dies führte beim Verkauf grossvolumiger Wagen weltweit zu einem tiefen Einbruch.

1975 Die Aussichten für den Verkauf von Automobilen in der Schweiz hatten sich durch den Einbruch der Rezession weiter verschlechtert. Die GM Suisse SA beschloss, die Montage von Automobilen nach der Sommerpause einzustellen. Die Belegschaft schrumpfte zuerst auf 1000 Mitarbeiter, dann auf 450. Am 20. August kam auch für die verbliebenen Beschäftigten das Ende – nach fast 40 Jahren schloss das Montagewerk der GM definitiv seine Tore. Insgesamt waren in Biel 329‘864 Wagen montiert worden. Dank einem mit den Gewerkschaften ausgehandelten Sozialplan konnten für die meisten der Entlassenen neue Stellen gefunden werden.

Quellen:
Motzet M. und Brommecker K. (2010). Montagewerk General Motors Suisse SA, Biel. In: Märki L. (2010). Mit Vollgas ins 20. Jahrhundert. Büren: Hornerblätter 2010
Müller G. (1963). Aus meinem Leben und dem einer Stadt. Bern: Francke Verlag
Zürcher Ch. (2008). General Motors (GM), in: Historisches Lexikon der Schweiz.


AutorIn: Christoph Lörtscher, Biel
 
 
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