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Archive Bieler Tagblatt / Journal du Jura

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Pferdebahn und Tierschutz - ein Leserbrief aus dem Jahr 1892

 

"Pferdebahn und Tierschutz: Gewiss jeder Bürger von Biel, sei er nun speziell Burger oder Einsasse (= Zuzüger), hat diesen Sommer mit Befriedigung wahrgenommen, wie unser Pferdebahnverkehr ungeahnte Dimensionen angenommen hat. Wenn auch als ausserordentliches Zugmittel die Eröffnung der Schüsschlucht (=Taubenlochschlucht) in Betracht kommen muss, so ist doch auch nicht in Abrede zu stellen, dass der ordentliche Geschäftsverkehr per Tramway sich in kurzer Zeit mehr als verdoppelt hat. Von kompetenter Seite haben wir gehört, dass das Bözingen-Biel-Nidau-Unternehmen gegenüber  früher nun glänzend rentiere und für die Zukunft zweifellos noch eine Steigerung des Verkehrs zu erwarten ist.

Dieser menschlichen Jubelhymne gegenüber würde jedoch der Monolog eines philosophierenden Tramwaypferdes ganz anders ausfallen.  Und gewiss, wer Betrachtungen angestellt hat über die vollgepfropften Tramwagen, über das Hasten und Drängen der Passanten, das "Gäng hüh" und Zwischenknallen der Kondukteure, das Keuchen der angespannten Zugtiere, den muss schmerzliches Mitleid mit diesen abgehetzten Geschöpfen ergreifen. Sage man uns nicht, es werde fleissig, ja genügend umgespannt, um die einzelnen Tiere ausruhen zu lassen. Solch reichhaltiges Pferdematerial ist nicht vorhanden, und wir haben über die regelmässigen Kurse und Pausen genaue Betrachtungen angestellt. Dagegen müssen wir der jetzigen Direktion Anerkennung zollen, dass doch im allgemeinen wohlgenährte Tiere im Dienste stehen, gegenüber den früheren "Sagbock-ähnlichen" Schreckgestalten.

Wenn wir unsern schwerfälligen, holpernden Tramwayverkehr demjenigen in Bern gegenüberstellen, so muss uns wahrlich ein Gefühl des Schmerzes und des Beneidens ergreifen. Wie elegant, wie leicht und sicher rollt dort der Wagen durch die Gasse! Wäre dieser Betrieb bei dem sich fortwährend steigernden Verkehr in Biel nicht auch einzurichten? An Wasserkraft, um Druckluft zu erzeugen, fehlte es uns nicht. Oder wäre es möglich, anschliessend an die Dynamo-Elektrische Fabrik in Bözingen den elektrischen Betrieb einzurichten? Darum fort mit dem tierquälerischen, mittelalterlichen Pferdebetrieb. Derselbe ist überdies bereits ungenügend. Druckluft oder Elektrizität muss her!"


AutorIn: Ein Leser des Express
 
 
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